Der folgende Artikel ist wörtlich entnommen der Katholischen SonntagsZeitung vom 25./26. April 2009. Er unterliegt nicht der redaktionellen Verantwortung der Pfadfinder-Stiftung.)

 

 

Attacke gegen Kirche und Bischof

 

Nach Mixas Osterpredigt zum Atheismus: Linke macht mobil

 

 Die Warnung von Diözesanbischof Walter Mixa vor einem zunehmend aggressiven Atheismus in Deutschland und dessen Folgen für Staat und Gesellschaft in der Osterpredigt hat deutschlandweit wütende verbale Attacken kirchenfeindlicher Gruppen gegen den Bischof und die Katholische Kirche ausgelöst. In Augsburg rief am vergangenen Samstag ein Bündnis linksradikaler Kräfte zu einer Demonstration auf. Dazu geboren neben der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) auch die Linkspartei, die Sozialistische Deutsche Arbeiter-Jugend und der sogenannte „Bund für Geistesfreiheit“, eine extrem kirchenfeindliche atheistische Weltanschauungsgruppe. In der Bischofsstadt sammelten sich trotz redaktioneller Ankündigung in der lokalen Tageszeitung gerade einmal rund 30 Teilnehmer unter den roten Fahnen von DKP und Linkspartei und skandierten lautstark antikirchliche Parolen.

    Die linksradikalen Demonstranten und ihre politischen Hintermänner werfen Bischof Mixa „Volksverhetzung“ vor, weil der Bischof in seiner Osterpredigt unter anderem sagte, „eine Welt ohne Gott ist die Hölle auf Erden“ und in Übereinstimmung mit Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI. daran erinnerte, dass „wo Gott geleugnet wird, bald auch die Rechte und die Würde des Menschen missachtet“ werden. In der Augsburger Marienkathedrale hatte der Bischof am Ostersonntag in diesem Zusammenhang auch gesagt: „Die Unmenschlichkeit eines praktizierten Atheismus haben im vergangenen Jahrhundert die gottlosen Regime des Nationalsozialismus und des Kommunismus mit ihren Straflagern, ihrer Geheimpolizei und ihren Massenmorden in grausamer Weise bewiesen.“

 

Kampagne im Internet

 

   Das Wochenmagazin „Der Spiegel“ entfachte daraufhin nach Ostern eine regelrechte Kampagne gegen Bischof Mixa im Internet und warf der Kirche Geschichtsverfälschung vor. Dabei störten sich die Medienmacher vor allem an dem Hinweis des Bischofs, dass in atheistischen Systemen die Christen und die Kirche immer in besonderer Weise verfolgt worden seien. Tatsache ist jedoch, dass viele Katholiken, darunter auch Priester, ihren Widerstand gegen den Nationalsozialismus oder den Kommunismus in Osteuropa und anderen Ländern der Welt, wie China, mit Schikanen, Lagerhaft oder gar mit dem Leben bezahlen mussten. Katholische Märtyrer wie die Karmelitin Edith und der Berliner Domprobst Bernhard Lichtenberg sind zu Symbolfiguren geworden.

 

Katholische Nazi-Opfer

 

   Auch im Bistum Augsburg wurden Priester während der nationalsozialistischen Herrschaft von der Gestapo überwacht und schikaniert. Mehrere Priester aus dem Bistum Augsburg wurden in Konzentrationslager verschleppt. Die Katholische SonntagsZeitung wurde 1941 von den Nazis verboten. Der katholische Priester Max Josef Metzger, Gründer des Christkönigsinstituts in Meitingen, wurde als Pazifist und erklärter Gegner der Nazis vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 17. April 1944 hingerichtet.

   Auch andere Priester und Laienbrüder der Christkönigsgesellschaft wie Michael Lerpscher und Joseph Ruf, oder der Pallottinerpater Franz Reinisch starben unter dem Fallbeil des gottlosen Nazi-Regimes.

   Am Denkmal für Max Josef Metzger vor dem Augsburger Dom versammelten sich in der vergangenen Woche zum 65. Jahrestag der Hinrichtung zahlreiche Menschen zu einer Gedenkveranstaltung, zu der die katholische Friedensbewegung pax christi, die Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und andere Organisationen eingeladen hatten. Unter den Teilnehmern war auch der SPD-Landtagsabgeordnete Harald Güller, Dompfarrer Konrad Hölzl, Prälat Siegfried Schindele (langjähriger Diözesankurat der DPSG / Anmerkung der Pfadfinder-Stiftung), der ehemalige Regionaldekan Michael Mayr und Stefan Kiefer, der die SPD-Fraktion im Augsburger Stadtrat führt.

 

Kritik an Linksdemo

 

   Das Bistum Augsburg hat inzwischen die Demonstration linksradikaler Kreise am Samstag gegen Bischof Walter Mixa als durchsichtiges politisches Manöver kritisiert, mit dem das Ansehen der Kirche beschädigt werden solle. „Bei der Demonstration der Deutschen Kommunistischen Partei, der Linkspartei und des sogenannten Bundes für Geistesfreiheit hat sich eine höchst unheilige Allianz von alten und neuen Kommunisten sowie erklärten Kirchengegnern zusammengeschlossen, um mit unsachlicher Polemik gegen die Kirche und einen katholischen Bischof Stimmung zu machen, der sich als Seelsorger immer auf die Seite der Schwächsten unserer Gesellschaft gestellt hat und der die Botschaft Jesu Christi von der Liebe zu Gott und den Menschen mutig verkündet“, sagte der Öffentlichkeitsreferent der Diözese Augsburg, Dirk Hermann Voß.

 

Dialog mit Nichtglaubenden

 

   „Gerade Bischof Mixa ist als deutscher Militärbischof wie kaum ein anderer Geistlicher mit Nichtglaubenden und Ungetauften in einem ständigen positiven Dialog und wird auch unter konfessionslosen Soldaten hoch geschätzt“, betonte Voß. Der Bischof habe in seiner Osterpredigt aber zu Recht vor den politischen Formen eines aggressiven Atheismus gewarnt, der sich nicht auf den Glauben von Einzelnen beziehe, sondern Gott aus Staat und Gesellschaft verbannen wolle.

   Die polemische Kirchenkritik linksradikaler Kreise und ihrer Sympathisanten zeige überdeutlich, dass die Warnung Bischof Mixas in seiner Osterpredigt von einem immer aggressiveren politischen Atheismus in Deutschland und seinen gesellschaftlichen Folgen für Staat und Gesellschaft wohl begründet sei. Als „bemerkenswert“ bezeichnete der Öffentlichkeitsreferent in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass sich der sogenannte „Bund für Geistesfreiheit“, der sich gern liberal und bürgerlich gebe, bei einer Demonstration gegen den Bischof von Augsburg „Seit an Seit unter die Fahnen von Linkspartei und DKP“ einreihe und bei der Demonstration selbst einen Redner gestellt habe.

   Die atheistischen Kirchenkritiker benutzen auch heute gegen die Kirche und ihre Vertreter die gleichen abgedroschenen Phrasen, wie sie alle totalitären Kirchengegner der Vergangenheit teilweise wörtlich verwendet hätten, sagte Voß. Neben dem sinnvollen seelsorglichen Gespräch mit Nichtglaubenden sei die wachsame Auseinandersetzung der Kirche mit allen Erscheinungsformen des politischen Atheismus eine zentrale Frage, die das Seelenheil der Menschen betreffe und die deshalb für die Kirche und einen katholischen Bischof angemessen und berechtigt sei.

   Der Bischof von Augsburg befindet sich mit seiner Warnung vor Atheismus, Materialismus und Nihilismus und deren gesellschaftlichen Folgen in voller Übereinstimmung mit Papst Benedikt XVI. Der Papst hat in seinem jüngsten Schreiben an die Bischöfe der Weltkirche ausgeführt: „Das eigentliche Problem unserer Gesellschaft ist es, dass Gott aus dem Horizont des Menschen verschwindet und dass mit dem Erlöschen des von Gott kommenden Lichts Orientierungslosigkeit in die Menschen hereinbricht, deren zerstörerische Wirkung wir immer mehr zu sehen bekommen.“ In diesem Sinne hat Papst Benedikt XVI. auch zu Ostern vor den Folgen des Nihilismus und des Materialismus gewarnt.

 

(Vollständiger, ungekürzter Artikel in der Katholischen SonntagsZeitung vom 25./26. April 2009 / Nr. 17, Seite 3)